Römische Höhenbefestigung

Die Höhenbefestigung auf dem Katzenberg mit seinen Moselschiefer-Dächern

Der Katzenberg war die größte von etwa 60 solcher spätrömischen Befestigungen in Eifel und Hunsrück


Die Anlage wurde um 1900 entdeckt und in den folgenden Jahrzehnten bis etwa 1932 zum ersten Mal ausgegraben. 



Gesamtplan der Ausgrabungen auf dem Katzenberg

Es handelt sich um einen Festungsbau, der den Bewohnern der römischen Siedlung (Vicus) von Mayen als Fluchtburg diente. Die gesamte Bergkuppe mit einer Fläche von 1,2 ha war mit einer Mauer umwehrt (Karte 1). Damit ist der Katzenberg die größte von etwa 60 solcher spätrömischen Befestigungen in Eifel und Hunsrück. Die Mauern waren aus Basaltquadern und Schieferplatten errichtet; beides Gesteine, die direkt am Berg vorkommen. An den flacheren Hängen gab es eine doppelte Mauer, einige Stellen waren noch dazu durch eine Holzpalisade geschützt. Im Nettetal, auf der Südseite, standen außerdem zwei runde Türme.



Der orginalgetreu rekontruierte Südostturm mit seinem Moselschiefer-Dach.



Der Südwestturm mit der rekonstruierten Wehrmauer.

Die oberste Bergkuppe war eng mit kleinen Häusern bebaut. Das größte Gebäude befand sich auf dem höchsten Punkt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Wach- und Signalstation, von der aus im Ernstfall rechtzeitig Alarm gegeben werden konnte, also um eine militärische Einrichtung mit einer entsprechenden Besatzung. 

1997 wurde mit einer systematischen und wissenschaftlichen Untersuchung auf dem Katzenberg begonnen, und zwar durch die Vulkanpark GmbH im Auftrag des Landesamts für archäologische Denkmalpflege in Koblenz. 

Am Südost-Turm dieser Mauer, der um 1900 nicht ausgegraben wurde, machte man dann einen für die spätere Rekonstruktion entscheidenden Fund: Die Grundmauern waren verhältnismäßig gut erhalten. Das Innere des Turms war angefüllt mit dem Schutt der eingestürzten Turmmauern. Mit der schrittweisen Entfernung des Versturzes ließ sich allmählich an dem noch aufrecht stehenden Mauersockel die Bauweise erkennen: Wechselnde Lagen von Basaltsteinen und Schieferplatten, in Kalkmörtel gesetzt. Reste vom Verputz zeigten, dass ursprünglich der gesamte Turm innen und außen verputzt war. Nachdem der Mauerschutt komplett entfernt war, kam eine Lage von Schieferplatten zum Vorschein, die sich auf Anhieb als Dachschiefer interpretieren ließen (Abb. 4): Es handelte sich um relativ dünne Platten (ca. 5 bis 6 mm dick) mit Nagellöchern, in denen in einigen Fällen sogar noch die ursprünglichen Nägel steckten. Daneben gab es noch weitere Nägel direkt auf dem Boden. Unterhalb dieser Plattenlage folgte kein weiterer Schutt mehr, vielmehr kam ein heller, wohl römischer Estrichboden zum Vorschein. Nach diesem Befund konnte kein Zweifel bestehen, dass es sich um Reste des Schieferdaches handelte, mit dem der Turm einst gedeckt gewesen war. Durch den Versturz des hölzernen Dachstuhls brach das Dach als erstes, sozusagen als untere Fundlage, ein. Sie wurden von den späteren Trümmerresten für die Nachwelt geschützt. 

Besonders überraschend waren die Formen der Decksteine. Es handelt sich in jedem Fall um Schieferschuppen, die sowohl mit Höhen- als auch Seitenüberdeckung verlegt waren, also eigentlich eine Deckung, die der heutigen Altdeutschen Deckung nahe kommt. In der Seiten- und Höhenüberdeckung waren wie auch bei heutigen Dachschieferformen meist 3 Nagellöcher vorhanden. 90 % dieser Platten sind schuppenförmige Decksteine, allerdings mit unterschiedlichen Größen. Sie entsprechen in etwa der heutigen Gattung der Altdeutschen Deckung 1/32 bis 1/16. Die restlichen 10 % der Platten sind entweder nicht zu definieren oder offensichtlich Ortsteinplatten (also größere Steinbreite) Ausgesprochene Fußsteine gab es nicht. Alle Steine entsprechen überwiegend einer Altdeutschen Rechtsdeckung. Steinbreite und Steinhöhe schwankt innerhalb der Gattierung, so wie es bei der Altdeutschen Deckung üblich ist. Der Brustwinkel beträgt, soweit noch rekonstruierbar, in etwa 74°. Dies entspricht einer Altdeutschen Deckung mit normalem Hieb.

Besonders überraschend waren die Formen der Decksteine. Es handelt sich in jedem Fall um Schieferschuppen, die sowohl mit Höhen- als auch Seitenüberdeckung verlegt waren, also eigentlich eine Deckung, die der heutigen Altdeutschen Deckung nahe kommt.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war scharfer Hieb (in etwa 65° Brustwinkel) eigentlich die allgemein übliche Altdeutsche Dachdeckung. Es gab aber Ausnahmen, z. B. bei kegelförmigen Dachflächen (also bei Rundtürmen wie hier am Katzenberg), weil dort die Steinbreite der Decksteine mit scharfem Hieb automatisch beim Verlegen zu einer übermäßigen Sperrung der Steine führt. Insofern gab es schon immer die Ausnahme wie jetzt auch beim Katzenberg eines stumpferen Brustwinkels im Falle von Rundtürmen. 

Die eindeutigen Altdeutschen Decksteinformen sind offensichtlich von Hand zugerichtet, wobei allerdings der im Kopfbereich der Decksteine in der Überdeckung liegende Bereich nur roh formatiert wurde. Die Dachdeckung sah also im Deckbild sehr wohl ordentlich und regelmäßig aus, so wie man es von einer deutschen Deckfläche verlangt, jedoch hatte man sich eine exaktere Zurichtung im Überdeckungsbereich (d. h. unsichtbaren Bereich) offensichtlich gespart. 

Rekonstruktion 
Anhand des ausführlichen Befundes konnte für die Rekonstruktion der Dächer folgender Ansatz gemacht werden: 

Mit Schiefergrößen von 1/16 bis 1/32 (heutige Bezeichnungen) handelte es sich um ein Dach mit der Dachneigung von mindestens 40°. 

Vom Befund der Steine war sowohl ein polygonales Zeltdach auf dem Rundturm als auch ein Kegeldach denkbar. 

Die Rekonstruktion entschied sich für die polygonale Zeltform. 

Bedingt durch fehlende Fußsteine ist davon auszugehen, dass ohne Gebindesteigung gedeckt wurde. 

Die Decksteine sind offensichtlich beim Verlegen erst in die Endform zugerichtet worden. 

Diese konkreten Angaben erwiesen sich als Glücksfall für die praktische Umsetzung der Rekonstruktion: Im Frühjahr 2000 wurde ein Teil der Befestigung mit den beiden Türmen im Zuge des Vulkanpark-Projektes wieder aufgebaut. 

So konnte für die Rekonstruktion der Dächer folgende Anweisung / Ausschreibung gegeben werden (Abbildungen 6 bis 8): 

Dachform polygonales Zeltdach; achteckige Grundform.